|
Was
versteht der Hundehalter unter Welpenerziehung?
Der
Erstgedanke ist natürlich Sozialisierung. Am besten in einer der so genannten
Welpenspielgruppen. Der Welpe soll mit gleichaltrigen Artgenossen zusammen
kommen, damit er lernt sich Seinesgleichen gegenüber nicht
aggressiv zu verhalten. Aus diesem Grund lässt man ihn auch bei jeder
Gelegenheit mit anderen Hunden zusammenkommen. Ob er will oder nicht. Dabei wird
vergessen, dass Aggression zum natürlichen Sozialverhalten eines Hundes
dazugehört.
Der
nächste Gedanke ist der Wunsch nach einem ausgelasteten Hund. Wenn die
Hunde in der „Spielgruppe“ mit sich beschäftigt sind, herumtollen und „spielen“ freut
sich der Welpenbesitzer. Der Welpe ist danach so richtig schön müde und Sozialisierung
war ja schließlich auch dabei.
Ein
voller Erfolg!! Wirklich ???
Info:
Hunde „spielen“
nicht wirklich miteinander, sie etablieren ihre bis dahin erlernten
Fertigkeiten.
Die
Sozialisierung, d.h. die soziale Prägung des Hundes erfolgt in der achten bis
zwölften Lebenswoche. In dieser Zeit sollte er mit seiner positiven und auch
negativen Umwelt konfrontiert werden. Wir müssen ihm den Kontakt zu Menschen
und den verschiedensten Umwelteinflüssen bieten. Sehr wichtig ist auch der Kontakt
zu Artgenossen in dieser Zeit, damit er typische Verhaltensweisen ( Beißhemmung,
Unterwerfungsgesten, usw.) erlernen kann. Nur wenn er genügend Abwechselung
und ein gesundes Maß an Stress geboten bekommen hat, kann er eine hohe Reizschwelle,
genügend Selbstvertrauen und eine gesunde Einstellung seiner Umwelt gegenüber
entwickeln.
Was
ist daher beim Kontakt mit Artgenossen zu beachten?
Der
Kontakt zu Artgenossen darf sich nicht der Kontrolle des Hundehalters entziehen,
er darf in solchen Situationen kein teilnahmsloser Zuschauer sein.
Was
soll ein Welpe von einem anderen Welpen in einer Welpenspielgruppe lernen?
Nichts,
denn beide sind unbeschriebene Blätter. Sie machen unter Umständen aber die Erfahrung,
dass sich körperlicher Einsatz gegenüber einem Schwächeren
lohnt. Der von Natur aus Schwächere flüchtet und entwickelt Angst. Der stärkere
wird noch stärker und versucht seine Position weiter auszubauen.
Was
ist daher beim Kontakt mit Artgenossen zu beachten?
Der
Kontakt zu Artgenossen darf sich nicht der Kontrolle des Hundehalters entziehen,
er darf in solchen Situationen kein teilnahmsloser Zuschauer sein.
Was
passiert aber in den Welpenspielgruppen? > (unbedingt
Weiterlesen!)
Ein
Haufen von kleinen Hunden wird dort sich selbst überlassen. Frei nach dem
Motto: Die machen das schon unter sich aus. Dabei verliert der Welpe völlig
das Vertrauen zu seinem Halter, weil dieser hierbei außen vor steht. Er
erwartet Führungsverhalten und Sicherheit von seinem Hundeführer und
beides wird ihm nicht gegeben. Das Resultat, er entwickelt Angst und Aggression.
Wollen wir das? Aus unserer Problemhundearbeit ist bekannt, dass viele Problemfälle
aus falsch geleiteten Welpenkursen erwachsen!
Was
ist nun zu tun? Was sind Ihre Aufgaben bei der Erziehung Ihres Welpen?
-
Konfrontieren
Sie Ihren Welpen mit positiven und negativen Umwelteinflüssen.
-
Nur
kontrollierter Kontakt zu Artgenossen.
-
Sie
müssen die Führung bei Ihrem Hund übernehmen.
-
Sie
müssen ihm in jeder Situation Sicherheit geben können
-
Sie
sind es, der dem Hund zeigen muss was er tun soll.
-
Der
Hund macht keine Fehler. Aus Hundesicht ist alles richtig was er tut.
-
Es
darf kein Meideverhalten entstehen.
-
Wenn
wir mit dem nicht einverstanden sind was er tut, müssen wir in der Lage
sein ihm zu zeigen was er statt dessen tun soll und nicht was er nicht tun soll.
Weiter:
Förderung
des Meutetriebes.
Entwicklung
von Aufmerksamkeit bei Ihrem Hund.
„Formales
Training“, dem Lehren der Ausführungskommandos wie Sitz, Platz, Steh,
usw.
Dies alles sollte Berücksichtigung in der Welpenerziehung
finden. Also eine vernünftige Vorgehensweise zur positiven Einflussnahme
auf die Entwicklung des Hundes, damit er genügend Selbstvertrauen,
eine hohe Reizschwelle und eine gesunde Einstellung zur Umwelt entwickeln kann.
Quelle: Wolfgang Müller, Hundezentrum-West |