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Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen...
und andere weit verbreitete Irrtümer....
Jeder macht was er will!
Keiner macht was er soll!
Aber alle machen mit!
Sie haben sich dafür entschieden, einen Welpen bei sich
aufzunehmen? Herzlichen Glückwunsch! Was erwarten Sie nun als Hundehalter
von einer Welpenspielgruppe?
Die häufigste Antwort, die wir bekommen: Der Welpe soll sozialisiert werden,
unter seines gleichen sein und vor allem spielen dürfen.
Was passiert aber wirklich in diesen Welpenspielgruppen?
Häufig werden 10 Welpen und mehr verschiedener Rassen und Größen,
sowie unterschiedlichen Alters (zwischen 8 Wochen
und 6 Monaten) in ein abgezäuntes
Gebiet verfrachtet, damit sie „spielen und lernen“ können. Sie
werden also sich selbst überlassen. Wo aber sind die Hundehalter, das eigentliche
Rudel für den Welpen?
Diese stehen hinter dem Zaun, sehen zu und amüsieren sich über das
Gerangel um Beute.
Meine Frage an Hundeschulen bzw. vermeintliche Hundetrainer oder wie sich sonst
noch nennen mögen,
insbesondere an alle Hundehalter:
Was soll das?
Welpenspielgruppen sind der größte Unsinn den die Menschheit je hervorgebracht
hat.
Liebe Hundehalter:
Wachen Sie auf!
Lassen Sie sich den Hund nicht schon in den ersten Monaten kaputt machen!
Haben Sie sich einmal die Mühe gemacht, den Sinn solcher Spielgruppen zu
hinterfragen? Glauben Sie bitte nicht alles, was man Ihnen erzählt oder
was Sie in unzähligen Büchern über artgerechte Welpenerziehung
lesen, sondern übernehmen SIE die Verantwortung für die künftige
Entwicklung Ihres Schützlings.
Schluss mit dem unsinnigen und gefährlichen Gruppengemetzel...
Ich sage:
Ein Welpe kann von einem Welpen
nichts lernen, zumindest nichts, was ihm in seinem weiteren Leben im positiven
Sinne hilft.
Ganz im Gegenteil, es werden bei vielen Hunden bereits die Grundlagen für
späteres Fehl- und/oder Problemverhalten gelegt!
Im übrigen „spielen“ Hunde nicht wirklich miteinander, sie etablieren
ihre bis dahin gelernten Fertigkeiten. Sieht man einmal genau hin, so beobachtet
man folgende Situationen immer wieder: Ein Jungtier wird gehetzt, gezwickt, untergebuttert
oder gemobbt.
Andere wiederum versuchen verzweifelt, sich der Situation zu entziehen, da sie
ohnehin schon ängstlich sind.
Das mag für den einen oder anderen Zuschauer vielleicht lustig aussehen,
für den Welpen aber ist das bitterer Ernst. Es geht darum erkämpfte
Positionen zu verteidigen, Macht auszuüben, Kräfte zu messen...
Einige Leser werden jetzt denken, dass dies auch beim Züchter unter den
Geschwistern so passiert. Das ist richtig, allerdings vergessen Sie, dass es
sich hier um ein geschlossenes Rudel und nicht um fremde Artgenossen handelt.
Ich vertrete folgende Auffassung: Wenn fremde Artgenossen schon
miteinander „toben“ sollen, dann sollten SIE als verantwortungsbewusster
Hundehalter aber auch an der Seite Ihres Welpen sein.
Sie lenken, kontrollieren und greifen ein, wenn die Situation es erfordert, genauso
wie die Elterntiere dies auch tun würden.
An dieser Stelle möchte ich auf zwei weitere unsinnige Aussagen hinweisen,
die ich immer wieder von Hundehaltern hören:
1. Das machen die Hunde schon unter sich aus... In der Tat tun
Hund dies.
Vergessen Sie dabei aber nicht, dass sich das Verhalten des Hundes völlig
Ihrer Kontrolle entzieht! Alleine durch diese inkompetente Einstellung geben
Sie dem Hund den Freibrief, zu tun oder zu lassen was er für richtig hält!
Der Hund handelt nicht nach Verstand, sondern Trieborientiert, sodass der Ausgang
einer Konfrontation immer eine Art Russisch-Roulette ist. Es kann gut gehen,
muss aber nicht!
So verhält es sich auch unter den Welpen! Und viel schlimmer noch: Sie sind
schuld daran, wenn Ihr Hund in diesem sensiblen Alter verletzt wird. Können
Sie das verantworten?
2. Glauben Sie auch noch an das Märchen, dass der Kampf
aufhört, sobald einer der Hunde auf dem Rücken liegt?
Leider muss ich Ihnen auch hier jegliche Illusionen nehmen. Es kann, muss aber
nicht der Fall sein. Vorraussetzung hierfür wäre, dass der stärkere
Hund in Bezug auf Artgenossen richtig sozialisiert wurde, eben durch kontrollierte
Früherziehung.
Was geschieht, wenn einer dieser Hunde ohne Artgenossen aufgewachsen ist bzw.
Unterwerfungs- oder
Beschwichtigungsgesten gar nicht kennt?
Wohlgemerkt, ich lehne die so genannten Welpenspielgruppen
ab, nicht aber die wichtige Welpenfrüherziehung.
Mein Appell an Hundehalter und Leiter von Welpenspielgruppen: Hat einer von Ihnen
schon einmal sein Kind in einer Krabbelgruppe abgegeben und dann von draußen
zugesehen, wie sich die Kinder gegenseitig die Spielzeuge um die Ohren hauen
oder kreischend, beißend um Spielzeug rangeln? Wohl kaum!
Hier greifen wir lenken und schlichtend ein, geben den richtigen Weg vor. Wir
bemühen uns zumindest, eine Vorbildfunktion zu übernehmen.
Warum wird
das mit dem Hund nicht genauso gemacht?
Warum wird hier vergessen, dass es sich um Tiere handelt, die ebenso unsere Sicherheit
und Führung brauchen?
In einer Hundeschule habe ich erlebt, dass am Ende der „Spielrunde“ auf
eine Plane Trockenfutter gestreut wurde, welches die Hunde im Anschluss gleichzeitig
fressen durften. Wohlgemerkt: alle Hundehalter standen außerhalb des abgezäunten
Geländes.
Die Krönung fand sich darin, dass Welpen, die sich nicht benehmen konnten
- sprich das Futter verteidigt und andere Welpen vertrieben haben - zur Strafe
sofort die Gruppe verlassen mussten!
Was soll das denn?
Wer hier bestraft werden sollte, sind die Trainer dieser Hundeschule und gleichermaßen
alle Hundehalter, die es zulassen, dass solche Spielchen mit ihren Hunden getrieben
werden.
Im übrigen: Strafe wofür? Dass sich die Welpen artgerecht verhalten
die Ressource Futter für sich beanspruchen?
Und vor allem: Was soll der Hund, der ohnehin nur triebgesteuert und egoistisch
handelt, aus dieser „Platz-Verweisung“ ähnlich einer roten Karte
beim Fußball lernen?
Er hat keine andere Alternative, er wurde durch den Hundehalter
genötigt, trieborientiert zu entscheiden und zwar in dem Moment als sich
das Zaungatter hinter ihm geschlossen hatte. Ohne jegliche Führung in dieser
Situation ist das Tier jetzt auf sich alleine gestellt, und welcher hungrige
Hund teilt schon gerne, wenn er alles für sich beanspruchen kann?
Das Einzige, was er vielleicht gelernt haben könnte ist, das nächste
Mal schneller zu fressen...
Durch den Versuch der Integration Ihres Welpen in konfliktträchtige Welpenspielgruppen
lernt Ihr Schützling, dass Artgenossen mit Vorsicht zu genießen sind,
dass Herrchen oder Frauchen nicht da waren, um die Situation (als eigentlicher
Rudelführer) zu regeln.
Ergo: In Zukunft wird der Hund alle Konflikte eigenständig regeln und zwar
mit den Ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Im umgekehrten Fall lernen
Welpen, die mit ihrer ruppigen Art immer die Oberhand hatten bzw. Situationen
eigenständig regeln durften, dass dies erwünscht und erlaubt ist! Bereits
hier haben Sie den Grundstein zum späteren Problemverhalten gelegt, was
sich allerdings erst mit 5 bis 9 Monaten zeigen wird.
Was glauben Sie, wird aus den Hunden, die solche negativ prägende Erfahrungen
gemacht haben?
Ich weiß, dass bei nachweislich etwa 70% aller Hunde bis zu
2 Jahren welche Fehl- oder Problemverhalten aufweisen, die Ursachen in so genannten
Welpenspielgruppen zu suchen sind.
Überwiegend handelte es sich um Hunde, die Probleme mit Artgenossen haben!
Und dies nur, weil sich weder Hundetrainer noch Hundehalter wirklich Gedanken
darum gemacht haben, was in unkontrollierten Welpengruppen wirklich geschieht
und bitte verstecken Sie sich nicht hinter der Aussage: „Das wurde
schon immer so gemacht“.
Ein kleiner Exkurs: Unter dem Wort „sozial“ finden
wir im Brockhaus, 19.Aufl: frz. von lat. Socialbilis, gesellschaftlich, gesellig
1) allg.: 1) das Zusammenleben der Menschen in Staat und Gesellschaft betreffend,
auf die menschliche Gemeinschaft, Gesellschaft bezogen, gesellschaftlich; dem
Gemeinwohl, der Allgemeinheit dienend. 2) Zoologie: gesellig, nicht einzeln lebend,
staatenbildend
Übertragen wir dies auf unsere Hunde, dürfte klar
sein, worum es in dieser für den Hund so wichtigen Sozialisierungsphase
geht: (8 bis 16 Wochen, mit Phase Umgebungslernen)
Es geht darum, den Horizont zu erweitern, die Annehmlichkeiten und Gefahren seiner
Umwelt kennen zu lernen. Dies kann er aber nur im Schutze seines Meuteverbandes
und nicht etwa durch Artgenossen aus anderen Rudelverbänden. Der Welpe muss
sich im Schutze seines stärkeren Begleiters - und dies sind Sie als Hundehalter
mit seiner weiteren Umwelt vertraut machen dürfen. Wird er hierbei, wie
bei den betreffenden Welpenspielgruppen alleine gelassen, so wird er unnötig
(dauerhaften) Schaden davontragen, bzw. sich seiner Umwelt gegenüber ängstlich
oder aggressiv verhalten.
Geben Sie die Verantwortung für Ihren Hund nicht
aus der Hand!
Sie haben bereits die Welpengruppe hinter sich und diese wurde
leider wie oben beschrieben geführt: Schade, wenn Sie Glück haben,
hat Ihr Hund keine bleibenden Schäden aus dieser Zeit davon getragen. Eventuell
wissen Sie aber jetzt, warum sich Ihr Hund z.B. Artgenossen gegenüber misstrauisch
verhält. Sicherlich ist Problemverhalten dieser Art therapierbar, besser
wäre es gewesen, wenn es erst gar nicht so weit gekommen wäre.
Sie besuchen gerade eine Welpenspielgruppe mit dem aus meiner- Sicht kritischem
Konzept? Nehmen Sie die rosa-rote Brille ab, denn Sie wissen, was Sie zu tun
haben:
Verlassen Sie die Welpenspielgruppe und beginnen Sie eigenständig oder in
geeigneten Kursen mit der Grundausbildung Ihres Hundes. Bedenken Sie bitte, was
der Welpe in der Prägephase lernt und in der Sozialisierungsphase festigen
bzw. ausbauen kann, bleibt dauerhaft gespeichert und bildet die Grundlage für
sein weiteres Verhalten - ob nun positiv oder negativ.
Es liegt in Ihrer Hand. Warum also sollten Sie diese Zeit, in der Ihr
Welpe sowieso alles schwammartig aufsaugt nicht nutzen? Es gibt keine denkbar
bessere Phase, um positiv auf die Entwicklung des Hundes einzuwirken!
Handeln Sie verantwortungsvoll für sich und Ihren Vierbeiner und vergeuden
Sie keine Zeit mit sinnlosen Welpenspielen!
Ich empfehle Gruppen für Welpen, bei denen die Kurse fachkompetent
geführt und vor allem auch kontrolliert werden, wo Hund und Hundehalter
gemeinsam als Team agieren.
Die Teilnehmerzahl bei solchen Kursen muss auf 2 bis maximal 4 Hunde und deren
Halter begrenzt sein. Hier werden Welpen sinnvoll an Ihre Umwelt und den täglich
anzutreffenden Umwelteinflüssen gewöhnt. Hund und
Hundehalter lernen bereits jetzt die korrekte Leinenführigkeit, es wird
an verschiedenen Orten geübt und ein Erwachsener, gut sozialisierte Hund
wird integriert...
Beispiele, wie man sinnvoll eine Gruppe Welpen „sozialisiert“, gibt
es viele. Es geht also darum, den Hund auf die wirklich wichtigen Dinge in seinem
späteren Leben vorzubereiten und zwar mit seinem Menschen-Rudel und nicht
primär mit fremden Artgenossen.
Mein Appell an alle künftigen Welpenbesitzer: Nutzen Sie das, was Sie jetzt
wissen und setzen Sie es um. Suchen Sie nach einer geeigneten Gruppe, bevor der
Welpe zu Ihnen kommt. Schauen Sie sich in Ihrer Gegend
um und informieren Sie sich, wie mit den Hunden gearbeitet wird.
Seriöse Hundetrainer und -schulen werden Ihnen auf alle Fragen qualifiziert
antworten können. Wählen Sie
nicht einfach die Hundeschule „um die Ecke“, weil dies einfach und
bequem ist.
Entscheiden Sie sich für einen Kurs, der Ihren Welpen optimal auf das Leben
vorbereitet, auch wenn dieser etwas weiter weg abgehalten wird.
Und vor allem: trainieren Sie nicht nur im Kurs, sondern auch im Alltag mit Ihrem
Welpen, denn sonst kann er nicht globalisieren!
Bei richtiger Früherziehung können Sie später stolz auf Ihren
Hund sein, weil er sich in IHREM Leben zurechtfindet!
An alle Hundeschulen und Trainer der hier kritisierten Welpenspielgruppen:
Fangen Sie an, umzudenken! Bleiben Sie nicht bei Ausbildungsstandards stehen,
die adäquiert sind, entwickeln Sie sich weiter! Übernehmen Sie nicht
die Unwissenheit anderer Ausbilder.
Quelle: Daniela Heinrichs |